07.01.2020

Die Klimawende gelingt auch bei steigendem Strombedarf.

Konventionelle Kraftwerke als Brückentechnologie nicht zu ersetzen.

Das Maßnahmenpaket für den Klimaschutz ist eine politisch beschlossene Sache. Nur haben die geplanten Maßnahmen zur Reduktion des umweltschädlichen CO2 einen problematischen Nebeneffekt: Elektroautos, Wärmepumpen, Digitalisierung und auch die Anstrengungen der Industrie werden die Nachfrage nach Strom drastisch nach oben treiben. Der Ausbau der erneuerbaren Energien kann aktuell nicht Schritt halten. Insofern bleiben die geplanten Szenarien der Klimawende zur Reduzierung der Kohleverstromung zwar richtig, sie müssen aber immer im Blickfeld des vorgeschriebenen Monitorings betrachtet werden: Reicht nach dem Atomausstieg im Jahre 2022 die Menge der erneuerbaren Energien versorgungssicher und rund um die Uhr aus, unseren ansteigenden Strombedarf zu decken?

Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) schätzt in einer exklusiven Berechnung für das Handelsblatt den Anstieg des Bruttostromverbrauchs bis zum Jahr 2030 auf bis zu 748 Terawattstunden (TWh). Das entspricht einer Steigerung von fast 26 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019. Das ist viel mehr, als die Bundesregierung laut ihrer eigenen Prognose erwartet. Sie kalkuliert bis 2030 sogar mit einem Rückgang des Strombedarfs um 4,5 Prozent.
Daraus ergibt sich eine erhebliche und gefährliche Lücke zwischen den Ausbauzielen für erneuerbare Energien und dem zu erwartenden Strombedarf. Nach den EWI-Berechnungen wird Deutschland 2030 angesichts der steigenden Nachfrage nur 46 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien decken können und so das Ziel von 65 Prozent erneuerbarer Energien im Strommix deutlich verfehlen.

Neben Elektromobilität und umweltfreundlichen aber stromintensiven Wärmepumpen wird auch die Wende in der Industrieproduktion die Stromnachfrage dramatisch ansteigen lassen. Die Stahlindustrie benötigt z.B. für den Strom der geplanten Wasserstoff-Anlagen nach Berechnungen der IG Metall rund 12.000 neue Windräder, um auf eine grüne Produktion umzustellen. Soll der Anteil der erneuerbaren Energien bis 2030 auf 65 Prozent oder 69.000 Megawatt (MW) steigen, bräuchte es einen Zubau von mindestens 3.800 MW pro Jahr. Anders ausgedrückt: Es müssten mindestens 3,5 Windräder pro Tag aufgestellt werden. Im Jahr 2019 wurden allerdings nur 180 Windräder errichtet.

Deutschland droht eine gefährliche Ökostrom-Lücke und spätestens im Jahr 2023 eine Unterdeckung bei der gesicherten Leistung. Im Kontext der Klimawende wird sich der Einsatz fossiler Energieträger im Energie-Mix bis 2030 weiter reduzieren. Für die Braunkohle-Reviere ist ein umfassender Strukturwandel vorgesehen, Steinkohle-Blöcke werden sukzessive vom Netz genommen. Dies alles wird gelingen, wenn im Monitoring die Maxime von Versorgungssicherheit, Umweltschutz und Strompreisen im Hinblick auf gesellschaftlichen Konsens nicht ideologisch, sondern mit Augenmaß gesteuert wird.

Kraftwerksnebenprodukte wie REA-Gips, Kesselsand oder Flugasche erfreuen sich nach wie vor einer hohen Nachfrage, sei es als Alternative zum energieintensiven Abbau von Naturgips, als Hilfsstoff für Kultursubstrate im Landschafts- und Gartenbau oder zur Erfüllung besondere Anforderungen an Beton. So ist Beton mit Flugasche bei hohem Wiederstand z.B. gegen Angriffe von Sulfat oder Chlorid die erste Wahl. Auch bei der Reduzierung der Hydratationswärme massiger Bauteile tragen die Eigenschaften der Flugasche optimal zur Qualität der Spezialbetone bei. Verbesserte Sichtbetonoberflächen durch eine Bindemitteloptimierung und eine gute Verdichtungswilligkeit oder Pumpfähigkeit des Betons runden das Leistungsspektrum ab. Kraftwerksnebenprodukte liefern einen großen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft, zur Reduzierung von produktionsbedingten CO2-Emissionen und tragen zur Ressourceneffizienz bei. Auch eine Ökobilanz von Beton mit dem Einsatz von Flugasche wird per se verbessert.

„Wir stellen fest, dass wir die wertvollen Kraftwerksnebenprodukte für den effektiven Einsatz in der Bauwirtschaft auch im angebrochenen Jahrzehnt anbieten können“, erklärt WIN-Geschäftsführer Thomas Kaczmarek. „Gerade im Lichte des geplanten mehrjährigen Monitorings zur Strombalance von Angebot und steigender Nachfrage ist zu erwarten, dass die konventionellen Kraftwerke nach dem Atomausstieg noch lange als Brückentechnologie zur Grundsicherung und damit zur Versorgungssicherheit beitragen werden.

Der vollständige Pressemeldung kann hier heruntergeladen werden.

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