19.06.2020

Europas größtes Steinkohlekraftwerk am Netz - kein Widerspruch zur Klimawende.

Konventionelle Kraftwerke sind als Brückentechnologie nicht zu ersetzen.

Das neue Kraftwerk Datteln 4 ist seit kurzem ans Stromnetz angeschlossen. Es ist mit 1,1 Gigawatt eines der modernsten Steinkohlekraftwerke der Welt mit einem Nettowirkungsgrad von über 45 Prozent. Neben Strom für die öffentliche Versorgung erzeugt das Kraftwerk Strom für die Bahn und versorgt durch eine Kraft-Wärme-Kopplung rund 100.000 Haushalte in Stadt und Region mit umweltfreundlicher Fernwärme.

Die effiziente Anlage ist für schnelle Laständerungen ausgelegt. Diese hohe Flexibilität macht das Kraftwerk zu einem zuverlässigen Partner bei den Maßnahmen zur Klimawende und im Lückenschluss zu den Erneuerbaren Energien (EE). „Sollte nach dem Atomausstieg im Jahre 2022 die Menge der EE versorgungssicher und rund um die Uhr nicht ausreichen, unseren ansteigenden Strombedarf zu decken, werden die flexiblen Steinkohlekraftwerke - wie Datteln - helfen, die Atomlücke in der Grundlast von derzeit über 13 Prozent zu schließen,“ erklärt WIN-Verbandsgeschäftsführer Thomas Kaczmarek.

Nach Angaben des Bundesverbandes Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) erzeugen Wind- und Solaranlagen derzeit über 43 Prozent des erneuerbaren Stroms in Deutschland. Bis 2030 soll dieser Anteil auf 65 Prozent steigen. Dafür bräuchte es einen Zubau von mindestens 3,5 Windräder pro Tag. Im Jahr 2019 wurden allerdings nur 180 Windräder insgesamt errichtet. Im Lichte des steigenden Strombedarfs benötigt etwa die Stahlindustrie für den Strom der geplanten Wasserstoff-Anlagen nach Berechnungen der IG Metall rund 12.000 neue Windräder, um auf eine grüne Produktion umzustellen. Aktuell werden in Deutschland gut 31.000 Anlagen betrieben.

Deutschland droht eine gefährliche Ökostrom-Lücke und spätestens im Jahr 2023 eine Unterdeckung bei der gesicherten Leistung. Die Möglichkeit zur Abschaltung von Kohle­kraftwerken muss stets mit der Analyse zum Strombedarf und der gewünschten Versorgungssicherheit bei stabilen Preisen bewertet werden. Das gilt insbesondere auch für die Klimawende im Industriesektor z.B. bei der Herstellung vom Energieträger Wasserstoff.

Der neue „Europäische Green Deal" wird zudem dazu führen, dass in unseren Nachbar­staaten erhebliche Anstrengungen zur CO2-Reduzierung geplant und auch dort gesicherte Kraftwerkskapazitäten und -leistungen zurückgenommen werden, die dann für Stromexporte in unsere Volkswirtschaft nicht mehr zur Verfügung stehen.

Zum Jahresstart 2020 haben die EE ihren Anteil an der Strommenge steigern können. Zudem hat der Corona-Lockdown der Wirtschaft dazu geführt, dass der Strombedarf der Industrie erheblich gesunken ist und fossile Kraftwerke vom Netz genommen wurden.

„Nun zieht die Wirtschaft aber wieder an. Die Nachfrage aus der Bauindustrie ist ungebrochen. Dort haben die Pandemie-Einschränkungen nicht so stark eingewirkt, wie in anderen Industriesektoren. Gerade im Kontext des wieder steigenden Strombedarfs ist zu erwar­ten, dass die konventionellen Kraftwerke zurück ans Netz kommen und noch lange als Brückentechnologie zur Grundsicherung und damit zur Versorgungssicherheit beitragen werden.“

Das von WIN-Mitglied Uniper betriebene Steinkohlekraftwerk Datteln 4 im nördlichen Ruhrgebiet ist zum Symbol der Auseinandersetzung um die Energie- und Umweltpolitik in Deutschland geworden. Bundesregierung und NRW-Landesregierung betonen, dass im Gegenzug für Datteln ältere Steinkohlekraftwerke abgeschaltet werden. „Dadurch würden die zusätzlichen Kohlendioxid-Emissionen von Datteln 4 kompensiert,“ erläutert der WIN-Geschäftsführer. „Es darf in der Klimadebatte nicht um das Zählen von Standorten gehen, sondern nur um sinnvolle Lösungen, ein vereinbartes Klimaziel zu erreichen. Das sei sinnvoller, als eine hohe Entschädigung zu zahlen.“

Der vollständige Pressemeldung kann hier heruntergeladen werden.

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